Amtssprache ist Deutsch

Die Landeshauptstadt Hannover hat beschlossen, dass sie in ihrem Schriftverkehr und bei mündlichen Äußerungen ihrer Mitarbeiter bzw. Mitarbeiter/innen bzw. Mitarbeitenden bzw. Mitarbeiter_innen bzw. Mitarbeiter*innen bzw. Mitabeitxen nun nur noch „geschlechtergerecht“ auftreten wird. Sie wird künftig alle Personenbezeichnungen unnachsichtig „gendern“ und ihre Einwohnenden nicht mehr mit „Frau“ oder „Herr“ ansprechen. Der Oberbürger*innenmeister dieser stolzen Stadt hat zwar einigen Ärger wegen Korruptionsvorwürfen, doch Hannover schaut nach vorn und setzt Prioritäten. Die Stadt will in Steuerbescheiden, Strafzetteln, Formularen, Rundschreiben und Todesanzeigen, aber auch in Ansprachen bei Vereinsjubiläen oder Goldenen Hochzeiten die Gleichheit von Frauen, Männern und Angehörigen der etwa 60 „dritten Geschlechter“ herstellen.

Wenn sie solche Schriftstücke vorlesen, sollen die hannöverschen Bediensteten beim „Genderstern“ mitten im Wort eine kurze Pause einlegen, um so die städtische Gesinnung hörbar zu machen. Das alles sei ein „wichtiges Signal und ein weiterer Schritt, alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht anzusprechen.“ Die städtische Obrigkeit hält es für unerheblich, dass diese Maßnahme die Betroffenen aufdringlich sexualisiert. Sie werden nun unentwegt auf ihr Untenrum hingewiesen. Darauf hat die Bevölkerung gewartet.

Die Stadt Hannover verabschiedet sich damit aus der amtlichen Rechtschreibung des Deutschen. Dort gilt, dass falsch ist, was im Regelwerk nicht vorgesehen ist. Der „Genderstern“ ist dort nicht vorgesehen, ebensowenig „Gendergap“ (der Unterstrich zwischen Wortstamm und Endung, z.B. Lehrer_in) oder Binnen-I (LehrerIn). Sie verabschiedet sich auch aus dem, was in der Grammatikschreibung Konsens ist. Die maßgeblichen Grammatiken des Deutschen sind sich nämlich einig darüber, wie das Genus, das grammatische Geschlecht, funktioniert, und zwar unabhängig von Sexus.

Wir haben für die Kindergärten Hannovers schon einmal ein Lied in den niedersächsischen Neusprech umgesetzt:

Hoppe hoppe Reiter*in
Wenn er/sie/divers fällt, dann schreit er/sie/divers
Fällt er/sie/divers in den Graben
Fressen ihn/sie/divers die Rab*innen
Fällt er/sie/divers in dem Sumpf
Macht der/die/divers Reiter*in plumps.

Wie die Stadtverwaltung künftig andere Stadtverwaltungen anschreiben wird, etwa Herrenberg, Mannheim, Friedrichshafen, Karlsruhe, Pfaffenhofen oder Frankenhausen, ist offen.
Ungeklärt ist auch, wie sie künftig mit Leuten, die verdächtige Personennamen tragen. umgehen wird, etwa mit Frau und Herrn Neu*mann/frau, Mayer*in, Jan*sen/stochter, Pfleiderer*in. Und auch bei Wörtern, die keine Personenbezeichnungen sind, kommt einiges auf Hannover zu: Muskelkater*katze, Hahnen*hennenfuß, Türk*innenenbund (Lilium martagon), A/Äffen*innenliebe, Schwa/äb*innenenstreich.
Dieser Vorgang hat neben seiner heiteren auch eine rechtliche Seite, die die Stiftung Deutsche Sprache klären lassen wird. Deutsche Behörden sind nämlich gesetzlich dazu verpflichtet, in deutscher Sprache zu amtieren. Eine Stadtverwaltung kann sich nicht – einfach so – über die geltenden Regeln von Grammatik und Rechtschreibung des Deutschen hinwegsetzen. Oberbürger*innenmeister Schostok könnte sich nicht nur wegen einer Korruptionsaffäre, sondern auch wegen eines vorsätzlichen Verstoßes gegen § 23 (1) des Verwaltungsverfahrensgesetzes („Die Amtssprache ist deutsch“) vor Gericht wiederfinden.

23.01.2019/Helmut Glück








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